You make me wanne love

 

 

E r führt keine Beziehungen mit Frauen. Eine Nacht, eine Frau. Das ist eine seiner Regeln. Er ist die Art von Mann, von der ich die Finger lassen und an die ich nicht im Traum denken sollte. Aber bei mir beschränken sich die Gedanken an ihn nicht auf meine Träume. Er fasziniert mich, er geht mir unter die Haut und setzt meinen Körper in Flammen, wenn ich in seiner Nähe bin. Dabei sollte er mich kalt lassen. Er ist ein Mann, dessen Sphäre ich niemals betreten werde. Das dachte ich zumindest bis zu dem Tag, an dem sich alles für uns veränderte.

Payton

Sie ist das, mit dem ich am wenigstens gerechnet habe. Sie führt meine Regeln an eine Grenze, die ich nicht kommen sah, und zwingt mich diese zu überschreiten. Ich habe mir geschworen, nie wieder eine Ausnahme zuzulassen, aber bei ihr habe ich keine Wahl. Sie lässt mich nicht mehr los und stellt meine Lebensphilosophie gänzlich in Frage.
Aber es kann nicht funktionieren. Egal was ich versuchen werde. Whitneys Verrat wird für mich niemals zu vergessen sein ...

Das Buch ist in sich abgeschlossen und wird aus der Perspektive beider Hauptcharaktere erzählt.

 
 

LESEPROBE

»Jessica, ich habe mein Handy ver ...«, setze ich an, als ich am nächsten Morgen vor ihr stehe, halte aber inne, als sie mir mein Gerät mit einem breiten Lächeln überreicht.
»Ich bin froh, Ihnen einmal zuvorzukommen«, erwidert sie mit einem Augenzwinkern.
Ich nehme das Handy an mich. »Wo haben Sie das her?«, frage ich, da sie es mir nicht überreichen würde, wenn ich es auf meinem Schreibtisch liegen gelassen hätte.
»Es wurde gestern Abend unten im Foyer abgegeben. Und jetzt wüssten Sie wohl gerne, wie es den Weg in meine Hände gefunden hat, nicht wahr?«
Sie grinst mich mit einem sehr zufriedenen Gesichtsausdruck an. Sie arbeitet mit mir zusammen, seitdem ich bei Whitman, Shape & Partner angefangen habe, und ist für meine Existenz mittlerweile so wichtig wie die Luft zum Atmen.
»Wie gut Sie mich doch kennen, Jessica«, erwidere ich und warte geduldig auf die Erklärung. Sie starrt mich genüsslich an und kostet jede Sekunde dieses Momentes aus. Das kann ich ihr deutlich am Gesicht ablesen. Sobald ich die Erklärung für ihr Verhalten höre, kann ich ihre Belustigung über die Situation sehr gut nachvollziehen.
»Ich bin heute Morgen pünktlich zur Arbeit gekommen. Als ich vor den Fahrstühlen wartete, begann plötzlich ein Handy zu klingeln. Es nahm jedoch niemand das Gespräch entgegen, weswegen es ziemlich lange klingelte. Da mir der Klingelton äußerst bekannt vorkam, habe ich mich also auf die Suche nach dem Ursprung gemacht. Für einen Moment glaubte ich, dass Sie vor mir auf der Arbeit sind. Am Ende stand ich bei Pete, einem der Sicherheitsleute, der peinlich berührt auf das Handy vor sich starrte. Ich konnte gerade noch einen Blick auf den Anrufer werfen, und als ich den Klingelton und den Anrufer zusammenfügte ...«
»... war Ihnen klar, dass Sie mein Handy vor sich liegen hatten«, beende ich die Ausführungen für sie.
»So kann man es ausdrücken, ja.« Sie hebt die Augenbrauen und signalisiert mir, dass sie auf eine Erklärung wartet. Ich schweige aber und lächle sie lediglich freundlich an. »Sie wissen, dass Sie mir den Klingelton jetzt endlich erklären müssen?«
»Ich bin Ihr Boss.«
»Und ich bin die Person, die Ihre Arbeit erträglich macht. Das kann sich ganz schnell ändern.«
»Ich werde Ersatz finden.«
»Versuchen Sie das mal. Ich bin einmalig.«
Wir starren uns für einige Momente stumm an. Ich wusste in dem Moment, in dem sie die Erklärung abgegeben hatte, dass ich nicht darum herumkommen werde, ihr endlich zu erklären, warum die Titelmelodie von der Muppet Show ertönt, wenn Joe Whitman, einer der Seniorpartner, mich anruft.
»Ich fand es irgendwie passend«, liefere ich ihr als Erklärung.
»Passend?«
»Witzig.«
»Wollen Sie mir gerade ernsthaft erklären, dass Sie Humor besitzen? Wo hat der sich bitte die letzten fünf Jahre versteckt?«, fragt sie erschrocken nach und kann ihre Belustigung kaum zurückhalten. »Welchen Klingelton haben Sie denn meiner Wenigkeit zugeordnet?«
»Das werden Sie niemals herausfinden.«
»Oh doch«, erwidert sie selbstsicher. Ihre Hände verschwinden unter dem Tisch und wenige Sekunden später beginnt, mein Handy zu vibrieren.
»Das habe ich kommen sehen«, kommentiere ich die Enttäuschung auf ihrem Gesicht darüber, dass ich mein Handy auf lautlos gestellt habe.
»Ich werde noch dahinter kommen.«
»Dann wünsche ich Ihnen viel Spaß dabei.«
»Sie werden den Klingelton jetzt ändern. Habe ich recht?«
»Es gibt viele Gründe, warum Sie meine Sekretärin sind. Ihre schnelle Auffassungsgabe ist einer von ihnen.«
»Das ist wirklich nicht fair«, schmollt sie.
»Sie können sich geehrt fühlen. Denn Sie sind die Einzige, die weiß, mit welchem Klingelton mir Whitmans Anrufe angekündigt werden.«
»Sie sollten aufpassen, dass das sonst niemand mitbekommt. Ich kann mir vorstellen, dass er das nicht besonders witzig findet.«
»Dafür sind Sie meine Sekretärin, Jessica ...«, erwidere ich und schenke ihr ein aufrichtiges Lächeln. Sie ist wohl eine der wenigen Frauen, die diese Gefühlsregung von mir noch zu Gesicht bekommen.
»Tun Sie mir dafür einen Gefallen und beantworten Sie zumindest einen Teil Ihrer E-Mails selbst, wenn Sie mir schon nicht verraten wollen, mit welchem Klingelton Ihnen meine Person angekündigt wird.«
»Jessica, Sie wissen ganz genau, dass ich einen Ruf zu verlieren habe«, erwidere ich scherzhaft und verschwinde endlich in meinem Büro. Ich plaudere wirklich gerne mir der Frau, die mein Leben häufig besser im Griff hat, als ich selbst. Insbesondere, da sie meinen Humor versteht und ein Auge auf die Gerüchteküche der Firma hat. Aber meine Arbeit erledigt sich nicht von selbst.
Ich lege das Handy auf meinen Schreibtisch und rufe das interne Messaging-System auf.
Mit Schirm, Charme und Melone‹, schreibe ich ihr und drücke mit einem Lächeln die Enter-Taste.
Prompt kommt die Antwort von Jessica: ›Ich habe mich schon immer mit Dr. Catherine Gale identifiziert.‹
Ich schließe das Fenster und wähle die Durchwahl zum HR-Departement. Während ich der Frau am anderen Ende erkläre, dass Jessica zu ihrem Geburtstag in drei Wochen einen extragroßen Blumenstrauß inklusive Wellness-Gutschein bekommen soll, nehme ich mein Smartphone wieder zur Hand und entsperre den Bildschirm. Augenblicklich gefriert mir mein Blut in den Adern.
»Mr. Fierce?«, fragt die Dame aus der Personalabteilung verwirrt. Ihrem Ton entnehme ich, dass sie meinen Namen gerade nicht zum ersten Mal sagt, weil ich plötzlich aufgehört habe, mit ihr zu sprechen.
»Ich melde mich später noch einmal«, sage ich kurz angebunden und knalle den Hörer zurück auf das Telefon, ohne meinen Handy-Bildschirm aus den Augen zu lassen.
Ich blicke geradewegs die SMS-Konversation zwischen mir und Alicia von gestern Abend an. Im Gegensatz zum Vorabend befindet sich in der Konversation eine Antwort auf meine letzte SMS an sie. Zudem bin ich mir sicher, dass ich die Konversation geschlossen habe, ehe ich das Büro verließ.
Mit dem Display nach unten lege ich das Handy auf den Schreibtisch und wähle die Durchwahl für die IT-Abteilung. Ich erkundige mich, ob Steven heute da ist. Das hätte ich mir im Prinzip auch sparen können, da er jeden Tag da ist. Egal ob es ein Feiertag ist oder die Queen ihn persönlich empfängt. Steven verlässt seinen Arbeitsplatz für keine fünf Minuten.
»Ich bin gleich wieder da«, sage ich zu Jessica gewandt und rausche so schnell an ihr vorbei, dass sie keine Möglichkeit hat, mir zu antworten. Ich drücke ungeduldig auf den Knopf für die Aufzüge. Als die Türen sich endlich öffnen, kommen mir einige Mitarbeiter entgegen. Für einen kurzen Moment bleiben meine Augen an einer blonden jungen Frau hängen, die mich, sobald sie mich erkennt, mit weit aufgerissenen Augen anstarrt. Sie öffnet leicht die Lippen, als würde sie etwas sagen wollen, scheint sich aber eines Besseren zu besinnen und geht, ohne ein Wort zu verlieren, an mir vorbei. Ich schaue ihr hinterher, da ich so eine Reaktion noch nie von einer Frau bekommen habe. Sie wirkte ängstlich, peinlich berührt, fast panisch. Ich verdränge den Gedanken an die Frau. Vielleicht habe ich mittlerweile diese Wirkung auf das weibliche Geschlecht. Ich habe momentan ein ganz anderes Problem. Ich muss wissen, wer mein Handy gefunden und die Konversation zwischen mir und Alicia gelesen hat.
Sobald ich im Keller angekommen bin, wo die IT-Abteilung sitzt, die für die IT-Sicherheit meiner Firma zuständig ist, laufe ich Steven praktisch in die Arme.
»Mr. Fierce«, begrüßt er mich trocken.
»Steven«, erwidere ich, um Freundlichkeit bemüht. »Ich bräuchte einen Gefallen.«
»Der da wäre?«, fragt er mich und wendet sich von mir ab. Ich folge ihm durch das Labyrinth von Servern, auf denen unsere Daten liegen. Das Brummen der Kühlsysteme treibt mich bereits nach wenigen Sekunden in den Wahnsinn. Zudem ist die Luft stickig, das fehlende Tageslicht verbreitet eine triste Stimmung.
»Ich brauche Einsicht in die Videoüberwachung von gestern Abend.«
Steven bleibt abrupt stehen und dreht sich zu mir um. Er blickt mich kritisch an. »Wieder einer Ihrer Ausrutscher, der vom Überwachungsmaterial verschwinden soll?«, fragt er.
Ich halte seinem Blick stand. »Nein. Ich muss wissen, wer gestern nach mir noch im Gebäude war und etwas im Foyer abgegeben hat.«
»Von wie viel Uhr genau sprechen wir?«
»Wahrscheinlich zwischen 21 und 22 Uhr. Es kann aber auch später sein.«
»Ich sehe, was ich tun kann«, sagt er, während ich ihm vier 100-Pfund-Noten in die Brusttasche seines Hemdes stecke.
»Danke«, sage ich und habe mich bereits von ihm abgewendet, als er fragt: »Sollen die Aufnahmen verschwinden?«
»Nicht nötig«, schüttle ich den Kopf. »Ich muss nur sehen, wer auf den Aufnahmen ist.«
»Geben Sie mir 20 Minuten«, vernehme ich von Steven, ehe er wieder im Labyrinth der Server verschwunden ist.
20 Minuten, bis ich weiß, wer in meine Privatsphäre eingedrungen ist.
Wie erwartet, enttäuscht mich Steven nicht, und ich habe bereits zehn Minuten später die entsprechende Datei im Anhang einer internen E-Mail.
Ich spiele sie auf dem Desktop ab und starre gebannt auf die Bilder, die sich mir zeigen.
Mir fällt das Handy aus der Manteltasche, als ich den Fahrstuhl rufe. Sobald sich die Türen geschlossen haben, taucht eine junge Frau auf und nimmt es irritiert an sich. Sie blickt sich um, als würde sie den Besitzer ausfindig machen wollen. Sie steht mit dem Rücken zur Kamera, sodass ich ihr Gesicht nicht erkennen kann. Irgendetwas bewegt sie dazu, auf das Display zu schauen. Dann spannt sich ihre gesamte Körperhaltung an. Die SMS von Alicia wird auf dem Handy eingegangen sein. Die junge Frau scrollt in der Konversation auf dem Handy nach oben.
Ich muss vergessen haben, den Stand-by-Modus anzuschalten. Ansonsten hätte sie lediglich Alicias SMS auf dem Display lesen und nicht die gesamte Konversation einsehen können. Ich fahre mir wütend über das Gesicht.
Das darf nicht wahr sein ...
Verdammt noch mal! Wie konnte das passieren? Es gibt nichts, was ich so sehr verabscheue, wie die Kontrolle zu verlieren. Und die Unbekannte auf dem Bildschirm hat sie mir förmlich, ob gewollt oder ungewollt, aus der Hand gerissen.
Ich muss unbedingt herausfinden, wer sie ist, denke ich, als sie sich zur Kamera umdreht, da einige Mitarbeiter auf den Aufzug zusteuern. Ich starre ihr Gesicht an. Dann trifft es mich. Sie ist die Frau, die mich heute Morgen panisch angeschaut hatte. Jetzt machen ihr Gesichtsausdruck und ihre gesamte Reaktion auf die Begegnung mit mir Sinn.
Ich stoppe die Aufnahme und springe von meinem Stuhl auf. Sie muss eine der Interns sein. Zum zweiten Mal an diesem Tag rausche ich an Jessica vorbei, die wieder keine Möglichkeit hat, etwas zu sagen. Wenige Sekunden später stehe ich in dem Großraumbüro. Ich brauche einige Momente, um sie ausfindig zu machen, aber dann erblicke ich sie. Sie starrt konzentriert auf den Bildschirm vor sich.
»Kann ich Ihnen behilflich sein, Mr. Fierce?«, fragte eine rothaarige Mitarbeiterin, die mir am Nächsten sitzt.
Sobald der Name Fierce im Raum steht, hört das allgemeine Gewusel auf und alle schauen mich an. Alle Augenpaare sind auf mich gerichtet. Bis auf eins, das immer noch auf den Bildschirm vor sich starrt. So als ob sie mit allen Mitteln verhindern will, mich anzuschauen.
»Nein«, erwidere ich knapp und drehe auf dem Absatz wieder um. Ich muss mir etwas überlegen. Und das so schnell wie möglich.
»Payton«, ruft mich plötzlich jemand. Ich bleibe abrupt stehen. »Dass man dich mal bei den Normalsterblichen erblickt«, scherzt die Person. Es ist Noah, einer der Juniorpartner, die mir des Öfteren zuarbeiten. Ein kluges Köpfchen, der es mit den richtigen Verbindungen weit bringen wird. Für meinen Geschmack redet er zu viel.
»Wenn du genug Zeit hast, in der Gegend herumzuspazieren und mich zu belästigen, hast du wohl nichts zu tun«, begrüße ich ihn weniger freundlich.
»Ich habe dank dir immer genug zu tun«, erwidert er mit einem Lächeln. »Also, was führt dich her? Sag bloß, du wolltest die Interns auschecken, um dir eine Assistentin zuzulegen?«
»Jetzt weiß ich zumindest, wo die ganzen Gerüchte über mich herkommen.«
Noah schlägt mir freundschaftlich auf die Schulter. »Für die bist du ganz alleine verantwortlich. Aber es überrascht mich nicht, dass du wie immer auf eine Assistentin verzichtest und die gesamte Firma für dich arbeiten lässt.«
»Wie schön, dass du dich darüber freust, weiterhin meine persönliche Sklaverei zu unterstützen«, merke ich an und werfe einen Blick auf meine Rolex. »Ich muss los«, sage ich knapp und gehe zurück zu meinem Büro. Vor Jessica bleibe ich diesmal stehen und betrachtete sie eingehend.
»Oh. Ich bin überrascht ... Sie wissen noch, wer ich bin«, sagt sie mit anklagender Stimme, ohne von den Papieren in ihrer Hand aufzublicken.
»Ich bräuchte die Personalakten aller Interns.«
Sie hebt langsam den Blick und mustert mich. Offensichtlich muss sie sich davon überzeugen, dass ich keinen Witz mache. »Muss ich mich um meinen Job sorgen?«, fragt sie und runzelt beunruhigt die Stirn.
»Nein.«
»Dann nehme ich an, dass Sie lediglich die Akten der gut aussehenden und weiblichen Neuzugänge einsehen möchten?« Ihr vielsagender Blick erübrigt meine Nachfrage.
»Nein, Jessica. Alle.«
Ich vernehme ihr Kichern, als ich die Bürotür hinter mir schließe. Das ist der beschissenste Morgen, den ich seit Langem hatte.

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