The Colour beneath my soul ~ BLACK

 

 

Eine Fraue, die sich um alles in der Welt nicht verlieben will, es aber nicht verhindern kann ...

 

Vanessa führt ein Leben, um das sie viele beneiden. Sie hat den Lifestyle der Reichen und Schönen, ein Konto das Dank ihrer Karriere als Modelagentin prall gefüllt ist und seit einem halben Jahr ein eigenes Unternehmen, das sich ausschließlich um die Einkleidung der High Society in London kümmert. Dennoch ist es dieser eine Mann, der es immer wieder schafft, ihre Welt aus der Umlaufbahn zu katapultieren. Dumm nur, dass sie mit ihm eine Abmachung geschlossen hat – nur Sex, keine Gefühle, keine Dramen. Ein Motto, nach dem sie die letzten Jahre gut leben konnte, da sie für Beziehungen nicht gemacht ist. Was passiert aber, wenn es plötzlich nicht nur Sex ist? Wenn Gefühle mit im Spiel sind, die Dramen heraufbeschwören und die Vanessa beinahe vergessen lassen, warum sie nie wieder eine Beziehung zu einem Mann eingehen wollte?

 
 
 
 

LESEPROBE

»Vertrauen Sie mir, Robert?« Was für eine dämliche Frage. Natürlich vertraut der Mann mir. Aber manchmal muss man den Kunden an diese kleine, aber feine Tatsache erinnern, wenn er mit einem Stirnrunzeln meine Auswahl betrachtet.
»Natürlich«, erwidert er sofort und rückt verlegen seine Krawatte zurecht.
Ich lege die Hemden in meiner Hand beiseite und gehe auf meinen Kunden zu, der in seinem Büro auf einem Sofa sitzt und sich von mir seine zukünftigen Arbeitsoutfits zeigen lässt. Ihm gegenüber nehme ich Platz und beuge mich ein Stück vor. So nah, dass es intimer wirkt, aber nicht so nah, dass er mir in den Ausschnitt starren kann. »Was ist los?« Ich lege den Kopf leicht schief, um verständnisvoller zu wirken. Irgendetwas beschäftigt ihn. In der Regel nickt er meine Auswahl, ohne ihr eine große Beachtung zu schenken, durch. Als Herrscher über ein eigenes Immobilienimperium mit Mitte 50 hat er schließlich wichtigere Aufgaben, als ein strenges Auge auf seine Personalshopperin zu haben, die ihren Job immer zur vollsten Zufriedenheit erledigt hat.
Verlegen fasst er sich in den Nacken und schaut mich dann an. »Es gibt da eine Frau ...«
Wusste ich’s doch ... Irgendetwas ist im Busch. »Eine Frau? Ich freue mich für Sie, Robert«, erwidere ich mit einem ehrlichen Lächeln. Er war einer meiner ersten Kunden, seitdem ich mich vor einem halben Jahr selbstständig gemacht habe. Und er ist bislang auch einer der wenigen Kunden, dessen Dinner Outfits ich nie auf das Kleid einer Dame abstimmen musste.
»Es ist nur ein bisschen kompliziert.« Ein gequältes Lächeln huscht über sein Gesicht.
»Dann spucken Sie es mal aus. Vielleicht kann ich helfen.«
»Das hoffe ich«, gesteht er schließlich und sein hilfesuchender Blick vermittelt mir, wie viel Hoffnung er in wenigen Sekunden auf mich abwälzen wird. »Sie macht sich nicht viel aus Geld und ich möchte sie nicht ...« Er hält inne und sucht nach dem richtigen Wort.
»Verprellen, bevor sie Sie richtig kennengelernt hat«, beende ich seinen Satz. Er nickt mir zu.
Hier sitzt ein Mann mit einem Milliardenvermögen, der ein knallharter Geschäftsmann ist. Sobald aber eine Frau den Fuß in sein Leben stellt, wird er zahm wie ein Hauskater und hat keine Ahnung, was er anstellen muss, um die richtige Aufmerksamkeit zu erregen.
Ich lächle ihn zuversichtlich an. »Ich bekomme das hin. Es wird sie immer noch ein Vermögen kosten, aber es wird nicht nach einem Vermögen aussehen.«
»Danke«, erwidert er und kann sich endlich entspannen.
Ich stehe auf. »Ich nehme all die hübschen Sachen wieder mit und stelle Ihnen etwas Vernünftiges zusammen. Soll ich mit Christine einen neuen Termin ausmachen?«
Er schüttelt den Kopf. »Sie haben das im Griff, Miss Culliver. Schicken Sie die Sachen direkt an meine Hausadresse.«
»Rechnung inklusive«, sage ich und kann ihm endlich ein Lachen entlocken.
»Darum bitte ich doch.« Er steht ebenfalls auf und reicht mir die Hand. »Sie sind mehr wert als einhundert Ballen teuersten Stoffs, den es gibt.«
»Ich weiß.« Ich schüttle seine Hand und sammle meine Unterlagen ein. »Mein Assistent wird sich sofort um die Stücke kümmern«, sage ich, ehe ich mich abwende. Immerhin habe ich keine Zeit zu verlieren. Ein neues Set Kleidung samt Accessoires muss her. Und das am besten schon gestern.
»Es war wie immer ein Vergnügen.«
»Ebenso«, verabschiede ich mich mit einem Zwinkern. Die Tür fällt hinter mir ins Schloss und ich gehe geradewegs auf Simon, meinen Assistenten, zu. Er hat im Wartebereich ausgeharrt und E-Mails abgearbeitet. Als ich aber bemerkte, dass mit Robert irgendetwas nicht stimmte, habe ich ihn dezent vor die Tür gesetzt. Simon ist das gewohnt und verhält sich in solchen Situationen wie ein Profi. Ich habe ihn mir direkt nach seinem Studium im Modebereich vom Markt weggeschnappt, bevor irgendjemand anderes es tun konnte. Er spricht fließend Französisch und Italienisch. Selbst Deutsch beherrscht er. Der Junge eröffnet mir die Türen auf das internationale Parkett, wofür ich ihn fürstlich entlohne.
»Und?«, raunt er mir zu, als ich meinen Ordner bei ihm ablade und meinen Rock zurechtrücke.
»Es warten Überstunden auf uns«, eröffne ich ihm.
Überstunden sind gut. Denn Überstunden bedeuten zufriedene Kunden, die mir gegenüber noch mehr Wünsche äußern. Das bringt meinen Tagesablauf zwar beinahe zum Erliegen, da ich noch niemanden getroffen habe, der meine zur Verfügung stehenden Stunden am Tag verdoppeln kann, aber ich liebe schließlich diesen Beruf.
»Kümmerst du dich um den Rest? Ich habe noch etwas zu erledigen.«
Simon nickt und ist schneller in Roberts Büro verschwunden, als ich gucken kann. Mit einem Lächeln gehe ich an Christine vorbei. Sie verabschiedet mich freundlich. Eine Chefsekretärin, die nicht zum wilden Drachen mutiert ist und jede Frau als maßlose Konkurrenz ansieht, die ihrem Chef zu nahe kommt. Ein weiterer Grund, warum ich Robert als Kunden so sehr schätze.
Ich betrete den Fahrstuhl und überprüfe mein Aussehen in der verspiegelten Rückwand. Mit dem Zeigefinger entferne ich einen winzigen Fleck Mascara, der auf meinem Augenlid gelandet ist. Dann lächle ich mich selbst an. Aber es ist kein ehrliches Lächeln. Ich könnte nie im Leben die Person, die mir in die Augen blickt, anlächeln. Dafür kenne ich sie viel zu gut. Diese Person hat kein nettes Lächeln verdient.
Die Türen öffnen sich in der Lobby und ich trete aus der Kabine, damit die wartenden Menschen den Fahrstuhl betreten können. Ich setze meine Sonnenbrille auf, trage meine Handtasche am Ellenbogen und trete auf den Bürgersteig hinaus. Die Sonne scheint und ein leichter Wind wirbelt meine langen blonden Haare durcheinander. Ich streiche sie mir hinters Ohr, als ich ein Taxi heranwinke. Ich habe Glück und eins der schwarzen, für London typischen Autos hält neben mir. Routiniert steige ich ein, nenne dem Fahrer meine Zieladresse und konzentriere mich wenige Sekunden später auf mein Handy. Ich blende den Verkehr und das viel zu laute Radio aus.
Mein Terminkalender für heute ist voll. Seit 5.30 Uhr bin ich unterwegs und mein letzter Termin wird gegen 23 Uhr enden. Aber ich seufze weder auf, noch beschwere ich mich über meinen Tagesablauf. Es ist das, was ich brauche, um nicht in alte Muster zurückzufallen. Je weniger Zeit ich für Dummheiten habe, desto besser geht es mir.

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