Paid Love 3

 

 

Was passiert, wenn man sich in jemanden verliebt, den man nicht lieben darf?

 

Als Phoebe einen Platz an der Graham School of Music and Drama in London ergattert, kann sie ihr Glück nicht fassen. Einzig und allein eine Hürde muss sie noch nehmen, um vollständig immatrikuliert zu werden: Sie muss eine Tanzprüfung bestehen. Dafür muss sie an keinem geringeren als Ryder Warn vorbei, der sie gleich zweimal durchfallen lässt. Phoebe hat bereits mit ihrem Platz an der Schule abgeschlossen, Ryder glaubt aber an das Talent seiner Tanzschülerin. Auch wenn Phoebe es nicht zugeben mag, Ryder fasziniert sie. Je mehr sie hinter seine Fassade blickt, desto näher kommt sie ihm und das gefällt ihr ganz und gar nicht. Denn für sie ist er nach wie vor der größte Arsch, der auf dem Campus herumläuft.

 
 
 

LESEPROBE

 

Phoebe

Durchgefallen.
Das Wort steht schwarz auf weiß vor mir, aber ich blinzle immer wieder, in der Hoffnung, dass meine Augen mir lediglich einen Streich spielen. Aber jeder einzelne Buchstabe bleibt da, wo er ist. Da alle Studenten sehen wollen, ob sie die Tanzprüfung bestanden haben, werde ich von der Liste allmählich weggedrückt. Obwohl ich mich nicht bewegen will, drehe ich mich schließlich um und verlasse die Haupthalle.
Durchgefallen.
Das Wort hat sich in meinen Kopf eingebrannt und beschwört langsam eine fiese Übelkeit hervor. Ich lasse mich auf der Treppe, die in die Haupthalle führt, nieder und umfasse meinen Kopf mit meinen Händen.
Das war bereits die zweite Tanzprüfung. Eine dritte wird es nicht geben, was ultimativ bedeutet, dass ich aus dem Studienprogramm für dieses Jahr geflogen bin. Oder besser gesagt: Ich kann nicht einmal anfangen zu studieren, weil ich mich streng genommen immer noch in den Semesterferien befinde. Die Prüfung war dazu gedacht, uns fit zu bekommen und uns auf den harten Trainingsalltag vorzubereiten. Die entsprechenden Prüfungen für das Schauspiel und den Gesang habe ich mit Bravour gemeistert. Einzig und allein das Tanzen ist ein Problem ...
Ich seufze auf und weiß, dass ich Adrian anrufen sollte. Aber ich kann ihm das nicht antun. Ich kann ihm nicht sagen, dass ich nicht gut genug war. Nicht nachdem, was er für mich getan hat.
Ich spüre die Tränen in meinen Augen. Das hier war mein Traum. Etwas, wofür ich alles gegeben habe. Trotzdem hat es am Ende nicht gereicht. Ich kann nicht glauben, dass ich an der finalen Tanzprüfung gescheitert bin. Dass 15 Minuten darüber entschieden haben, ob ich meinen Platz an der Schule behalte oder nicht.
Ich habe überall blaue Flecke und seit heute Morgen spüre ich endlich meine Füße wieder. Ich habe die letzten Wochen nicht gegessen, nicht geschlafen, sondern einfach nur trainiert. Und der Dank dafür ist, dass die mich rausschmeißen. Einfach so.
Ich balle meine Hände zu Fäusten und schlucke den Schmerz hinunter. Im nächsten Jahr kann ich die Prüfung erneut machen. Solange muss ich mir einfach einen Job suchen, der mich über Wasser hält, und meine schauspielerischen Fähigkeiten so weit perfektionieren, dass Adrian und Chloe in Amerika nichts von dem Drama hier mitbekommen.
Es ist lediglich ein Jahr ...
Was ist schon ein Jahr im Vergleich zum gesamten Leben? Ich kann nebenbei Kurse besuchen, besser werden und in genau zwölf Monaten, wenn ich wieder vor den strengen Gesichtern stehe, werden ihnen die Augen rausfallen. Sie werden es bereuen, mich nicht sofort genommen zu haben.
»Phoebe!«, höre ich jemanden meinen Namen rufen und hebe augenblicklich den Kopf. Kendra, meine Zimmergenossin, kommt geradewegs auf mich zugelaufen. Sie ist bereits im zweiten Jahr an der Graham School of Music & Drama und hat diese leidige Prüfung bereits im ersten Versuch erfolgreich bestanden. Sie braucht nicht nachzufragen, sondern scheint das Ergebnis in meinem Gesicht ablesen zu können.
»Oh nein«, flüstert sie und setzt sich neben mich. Sie hat kurze blonde Haare, die ihre weiblichen Gesichtszüge erst recht betonen. Mit ihren großen blauen Augen schaut sie mich genauso enttäuscht an, wie ich mich fühle. »Warum?«, fragt sie schließlich die Frage, die ich nicht beantworten kann.
Ich zucke mit den Schultern. »Alle anderen waren besser ...«
»So ein Blödsinn«, sagt sie sofort. »Ich habe dich tanzen sehen. Ich habe sogar mit dir trainiert. Du konntest jeden Schritt der Choreo im Schlaf rückwärts und im Handstand tanzen.«
Ihr fragender Blick ruht unermüdlich auf mir, aber ich kann ihr die Frage schlichtweg nicht beantworten, da auf der Liste lediglich steht, dass ich durchgefallen bin und nicht warum.
»Was wirst du jetzt tun?«, fragt sie.
»Mir einen Job suchen. Trainieren, bis ich tatsächlich tot umfalle, und dann die Prüfung im nächsten Jahr wiederholen.«
»Was machst du wegen deines Bruders?«
Ich seufze auf. »Keine Ahnung. Ehrlich nicht«, sage ich und fahre mit den Händen verzweifelt durch meine schwarzen Locken. Vielleicht waren die Haare schuld. Beim Tanzen sind sie immer im Weg. Studenten, die Tanz als Hauptfach gewählt haben, tragen entweder eine Kurzhaarfrisur, so wie Kendra, oder stecken sich die Haare hoch. Bei mir ist weder das eine noch das andere möglich. Sie sind mir manchmal im Weg, aber dann wiederum will ich nicht Profitänzerin werden, sondern Schauspielerin. Ach verdammt ...
Jetzt komme ich schon auf die merkwürdigsten Gedanken, nur weil ich offensichtlich keine ausreichende Leistung erbracht habe.
Ich lasse meinen Blick über die Menge an Studenten schweifen. Die ersten Unterrichtsstunden an diesem Tage sind vor wenigen Momenten zu Ende gegangen, sodass der Vorplatz voll mit Personen ist, die versuchen, zu den nächsten Trainingseinheiten oder Theoriestunden zu gelangen. Verspätungen werden hier nicht toleriert, geschweige denn das Schwänzen von Unterricht.
Dann sehe ich ihn plötzlich.
Den Kerl, der wahrscheinlich für mein Scheitern verantwortlich ist, da er in der Jury saß. Er hat bewertet und mich für nicht gut genug empfunden.
»Dieser Mistkerl«, fluche ich und lasse ihn nicht aus den Augen. Er trägt Jeans, Lederjacke und Sonnenbrille und flaniert über den Campus, als wäre er hier der König. Das Problem: Die weibliche Welt himmelt den Kerl so sehr an, dass er sich hier alles erlauben kann und das auch tut. Es brauchte lediglich eine Nanosekunde vor der ersten Tanzprüfung, in der ich seinem Blick begegnet bin, und ich konnte ihn nicht ausstehen. Er ist die lebendig gewordene Arroganz. Mehr kann man dazu einfach nicht sagen.
»Ryder Warn?«, fragt Kendra. Ich brauche sie nicht anzuschauen, um dieses Glänzen in ihren Augen zu sehen, das jede Frau bei seinem Anblick bekommt. Okay, er sieht nicht schlecht aus. Wahrscheinlich hätte er von Gott persönlich nicht heißer erschaffen werden können, aber seine Attitüde geht gar nicht. Diese bodenlose Arroganz, die er mit sich herumträgt und nicht müde wird, jedem zu zeigen.
»Genau der«, murre ich. »Ich wette, er ist schuld daran, dass ich durchgefallen bin. Und weißt du, warum er mich hat durchfallen lassen? Weil ich gegen diese Verdummung, die bei allen Frauen einschlägt, sobald sie sich in seiner Nähe befinden, immun bin und ihm nicht sabbernd am Rockzipfel hänge.«

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