Paid Love 1

 

 

Kann aus einer ungeplanten Bekanntschaft Liebe werden?

 

Chloe hat eine gescheiterte Beziehung hinter sich und beschließt, ihre ganze Energie in ihren Abschluss an der juristischen Fakultät der Universität in Birmingham zu setzen. Keine Partys, kein Alkohol und insbesondere keine Männer.
Ihre beiden Mitbewohnerinnen Lucy und Grace sehen das jedoch anders und versuchen, sie ständig mit ungewöhnlichen Methoden aufzumuntern. Dabei ist das Einzige, was Chloe möchte ihre Ruhe. Eines Abends kommt sie jedoch nach Hause und ein Callboy sitzt auf dem Sofa, um ihr beim Entspannen zu helfen.
Aber was passiert, wenn man den Männern abgeschworen hat und sich dann ausgerechnet zu einem Mann hingezogen fühlt, der dafür bezahlt wird, zu lieben?

 
 
 

LESEPROBE

Chloe

Ein anstrengender Tag liegt hinter mir und das Einzige, was ich mir momentan wünsche, ist ein heißes Bad und ein Glas Wein, um entspannen zu können. Die Vorlesungen und die Lerngruppen, die im Anschluss stattgefunden haben, raubten mir jegliche Kraft. Mein Kopf schwirrt von Gesetzesvorschriften, die Finger an meiner rechten Hand spüre ich dank des Notizenberges von heute kaum noch und mein Magen knurrt seit heute Mittag 13 Uhr unablässig, da ich bislang keine Zeit hatte, etwas zu essen.
Mit einem erleichterten Seufzen schließe ich die Wohnungstür zu meiner WG auf. Ich lasse die Tür leise ins Schloss fallen, pelle mich aus der Jacke und schlüpfe aus den Schuhen, ehe ich mich in die Küche begebe. Je eher ich mein Glas Wein habe und mich im Badezimmer einschließen kann, desto besser für mich und meinen schweren Kopf. Während ich die Küchenschränke nach einem ordentlichen Rotwein absuche, vernehme ich lautes Geschnatter und Gekicher aus dem Wohnzimmer. Für einen Moment lausche ich, kann aber nur Wortfetzen verstehen. Langsam schleicht sich der Inhalt einer SMS von Grace, einer meiner Mitbewohnerinnen, die ich heute Mittag bekam, wieder in meinen Kopf. Ich hatte die Kurznachricht ignoriert, da es sich nach »Party machen« angehört hat. Denn dafür habe ich momentan keinen Nerv übrig. Seit Wochen hängen Grace und Lucy, meine zweite Mitbewohnerin, an meinem Rockzipfel und wollen mich dazu überreden, wieder Spaß am Leben zu haben. Dabei habe ich ausreichend Spaß mit meinem Jura-Studium, das mich dank meines letzten Freundes mehr fordert, als eh und je. Er hatte sich hinter meinem Rücken auf freie Studienplätze im Ausland beworben. Als er endlich einen bekam, hatte er mich mit den Worten »es war doch eh nichts Ernstes zwischen uns« abgespeist, sich in den nächsten Flieger nach Sydney gesetzt und danach mehrere Wochen mein Gehirn blockiert.
Es war doch eh nichts Ernstes zwischen uns ... Wir hatten darüber gesprochen, uns nach dem Studium eine gemeinsame Wohnung zu suchen und uns bei denselben Firmen zu bewerben. Ich für die Rechtsabteilung, er für den Bereich des Controllings. Das hört sich für mich verdammt ernst an.
Ich muss zugeben, dass ich mich seitdem von meinen Mitbewohnerinnen abgekapselt habe. Den wöchentlichen Mädelabenden blieb ich fern und begann, mich fortan nur noch auf die Uni zu konzentrieren. Rechtsnormen und Urteile lassen tagsüber keinen Platz in meinem Kopf, um mich mit meinem Liebeskummer zu beschäftigen, und abends bin ich so fertig, dass ich meist direkt ins Bett falle. Es sei denn, ich will mir ein Glas Wein und heißes Band gönnen.
Ich habe endlich eine Flasche Wein gefunden und bin gerade dabei, sie zu entkorken, als Grace in der Küche auftaucht.
»Da bist du ja schon«, begrüßt sie mich freundlich und setzt sich direkt neben mich auf die Arbeitsplatte.
»Ich habe euch am Wochenende gesagt, dass es die Woche bei mir jeden Tag später wird.«
Grace ignoriert meinen Kommentar und begutachtet mich faszinierend und mit einem Grinsen im Gesicht, das mir gar nicht gefällt. Sie und Lucy hatten es sich zur Aufgabe gemacht, mich aufzumuntern, damit ich mein persönliches Liebesdrama vergesse. Als die Aktionen ausuferten, da ihre Bemühungen zwar lieb gemeint waren, aber nicht halfen, schnappte ich mir die beiden und redete ein Machtwort. Party in der Wohnung, Überraschungsbesuche in meinen Vorlesungen und Alkoholexzesse gehören nicht zu den Dingen, die ich momentan in meinem Leben haben möchte.
»Wir haben eine Überraschung für dich«, verkündet Grace stolz. Ich halte in der Bewegung inne, schiebe die fast entkorkte Weinflasche an die Seite und blicke Grace ernst an.
»Ich habe euch gesagt, dass ich meine Ruhe brauche«, setze ich an, werde von ihr aber sogleich unterbrochen.
»Ja! Die haben wir dir verschafft. Wir haben dir jemanden beschafft, der für eine innere Ruhe in deinem Körper sorgt.«
Verwirrt blicke ich sie an. »Ihr habt mir einen Masseur besorgt?«
»Besser«, grinst sie über beide Backen.
»Besser?«, frage ich entgeistert nach, da ich den beiden nach ihrem Vorschlag, mal einen Strip-Club zu besuchen, alles zutraue.
»Er wartet im Wohnzimmer.«
»Bitte? Was?«, frage ich hysterisch nach.
»Wir wussten, dass du Nein sagen wirst, also haben wir dir die Entscheidung abgenommen.«
»Grace ... Verdammt noch mal, wer ist im Wohnzimmer?«, frage ich erneut und schaue sie verzweifelt an. Entweder stört sie meine anbahnende Panik reichlich wenig, oder sie nimmt sie durch ihre Glückseligkeit gar nicht erst wahr.
»Der Kerl, der dir beim Entspannen hilft. Und sobald du deine Anspannung los bist, wirst du auch wieder fröhlicher. Wir haben unsere alte Mitbewohnerin wieder und du wieder Spaß am Leben. Du kannst dir doch von diesem Volldepp von BWL-Studenten nicht das ganze Leben vermiesen lassen. Die Studentenzeit ist die beste deines Lebens!«, flötet sie mir den Vortrag vor, den ich mittlerweile auswendig kann.
»Ich hatte einen anstrengenden Tag. Ich möchte einfach nur ins Bett«, versuche ich mich aus der Affäre zu ziehen. Die Lust auf ein entspannendes Bad und ein Glas Wein ist mir längst vergangen.
»Ja, da kommst du auch gleich hin!«, eröffnet sie mir und mir wird flau im Magen.
»Was meinst du damit?«
»Wirst du gleich sehen«, erwidert sie lediglich und rutscht von der Arbeitsplatte hinunter. Dann packt sie mich am Arm und zieht mich ins Wohnzimmer. Irritiert folge ich ihr. Da sie mir offensichtlich so schnell wie möglich die Überraschung präsentieren möchte, eilt sie mit mir im Schlepptau durch die halbe Wohnung. Erst als wir mitten im Wohnzimmer stehen, lässt sie mich los. Sie dreht sich zu mir um und strahlt mich zufrieden an. Ich erblicke Lucy, die ebenso wie ein Honigkuchenpferd grinst. Dann bleiben meine Augen auf dem Typen haften, der neben ihr auf dem Sofa sitzt. Er trägt lässige Jeans und ein dunkles Polo-Shirt. Ein selbstsicheres Lächeln umspielt seine Mundwinkel, während er mich mustert. Ich brauche ihn nicht länger anzusehen, um zu wissen, warum er hier ist.
Ich löse den Blick von ihm und starre fassungslos Grace an. »Ihr habt mir einen Callboy organisiert?!«, fauche ich und bemühe mich nicht einmal, meine Stimme zu senken.
»Super, oder?«, erwidert meine Mitbewohnerin und ist auf den Einfall sichtlich stolz.
»Seid ihr wahnsinnig?!«, zische ich ihr zu. Sie zuckt aber lediglich mit den Schultern.
»Das wird dir guttun! Glaub mir!«, fügt Lucy an und steht auf. »Und das Beste ist, dass wir dir das Erlebnis schenken«, eröffnet sie mir und blickt ebenfalls strahlend zwischen mir und dem Unbekannten hin und her. Unwillkürlich schaue ich ihn wieder an. Er hat mich offensichtlich die ganze Zeit im Blick gehabt und beobachtet die Szene, die ich ihm biete, amüsiert. Ich schätze ihn nicht viel älter als ich.
»Nein!«, sage ich vehement und verschränke meine Hände vor der Brust. »Ihr habt den Bogen überspannt!«
»Wir haben nichts überspannt, du bist einfach überspannt, Chloe!«, legt Grace Widerworte ein und schaut mich mitleidig an. »Und dafür ist er da. Ein bisschen Sex und dir geht es gleich viel besser. Außerdem wirst du dann merken, wie langweilig Luca war«, fügt sie mit einem Augenzwinkern hinzu.
Mein Blick schnellt wieder zu dem Kerl, der mich beglücken soll. Er schweigt immer noch, scheint aber dennoch ordentlich Gefallen an meiner Reaktion zu haben. Glaubt der etwa, dass jede Frau dankbar dafür ist, mit ihm in die Kiste hüpfen zu dürfen und vor Glück am liebsten anfangen würde zu schreien?
»So ... Komm mit! Sonst wird das ja nie was«, sagt Grace und packt mich erneut. Ehe ich mich wehren kann, schiebt sie mich in mein Zimmer.
»Dein Einsatz, Adrian!«, sagt Lucy zu dem Typen gewandt, der uns gefolgt war. Sobald er neben mir im Zimmer steht, fliegt die Tür hinter uns zu und ich höre einen Schlüssel im Schloss. Sofort hechte ich auf meine Zimmertür zu und rüttle an dem Türgriff. Aber nichts tut sich. Die haben mich, verdammt noch mal, mit einem Callboy in meinem Zimmer eingesperrt! Das darf jetzt nicht wahr sein!

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