Merry Christmas, Tori

 

 

 

  Weihnachten wird dieses Jahr heiß ...

Tori hat nach unzähligen Bewerbungen endlich einen Platz an einer renommierten Universität in England angeboten bekommen. Bis sich ihr größter Traum endlich erfüllen kann, liegen jedoch noch einige Weihnachtsfeiern vor ihr, für die sie als Servicekraft zuständig ist. Auf einer dieser Feiern landet sie nicht nur einmal vor den Füßen eines attraktiven Gastes, der ihr plötzlich viel zu viel Aufmerksamkeit schenkt und sie mit seinem charmanten Lächeln ordentlich aus dem Konzept bringt. Obwohl er sie eindeutig umwirbt, bleibt sie ihrer obersten Regel treu – kein Kontakt mit den Gästen außerhalb ihres Jobs.
Als jedoch ihr Traum zu platzen droht, ist sie bereit, diese eine Regel zu brechen.

HINWEIS: Die Geschichte ist in sich abgeschlossen und wird aus der Perspektive beider Hauptcharaktere erzählt.

 
 
 
 

LESEPROBE

Tori

Ich hasse das Outfit. Es ist zu knapp, es zwickt und lässt mir nicht die nötige Bewegungsfreiheit, die ich für meinen Job so dringend benötige. Immerhin durften wir uns auf der Arbeit umziehen und mussten nicht in der Kleidung durch halb London stolzieren. Eine Augenweide für die Männer wäre es allemal gewesen.

Wieder wandert mein Blick an mir hinunter und ich seufze auf. Trinkgeld, Tori. Denk an das Trinkgeld. Dafür kannst du dir jede Menge Bücher für das Studium kaufen, und das ist der erste Schritt in ein Leben, in dem ich nicht verschwitzt und mit schmerzenden Füßen jeden Abend nach Hause komme.

»Ich liebe das Outfit!«, sagt Heather und dreht zum wiederholten Mal eine Pirouette. Mit verkniffener Miene starre ich sie an. Sie liebt das Outfit, weil es ihre langen Beine zeigt, ihre Brüste pusht und ihr die Möglichkeit gibt, all ihre weiblichen Reize den Männern unter die Nase zu reiben, um noch mehr Trinkgeld abzustauben. Dummerweise funktioniert es jedes Mal. Sie wickelt sich eine ihrer blonden Locken um den Zeigefinger und zieht einen Schmollmund. Oh ja ... Wenn die Männer ihr heute Abend die Scheine nicht in den Slip stecken, sind sie alle schwul.

Die anderen Mädchen sehen genauso begeistert aus wie ich – nämlich gar nicht. Einige von ihnen haben feste Freunde, Stella ist sogar verlobt. Hätte ich einen Freund, würde er sich wahrscheinlich lieber eine Woche lang von gebackenen Bohnen und labbrigem Toast ernähren, als mich vor einem Haufen reicher Kerle so herumlaufen zu lassen. Aber Kacey hat das im Griff. Wenn uns ein Mann zu nahe kommt, hat sie kein Problem damit, die ganze Party-Gesellschaft vor die Tür zu setzen. Und das beruhigt mich. Dennoch will ich nicht den ganzen Abend zu ihr rennen, weil die Typen mich lüstern anschauen.

»Heather, tu uns einen Gefallen und halt dich an die Grapscher!«, ruft eins der Mädchen, worauf die anderen anfangen zu lachen. Ich kann mir ein Lächeln nicht verkneifen, als ich Heathers vorfreudigen Blick sehe. Sie liebt Männer. Vor allem die reichen Männer der Upperclass. Leider hat sie es bislang nicht geschafft, einen davon langfristig an sich zu binden. Wahrscheinlich würde sie auch nackt kellnern, wenn Kacey ihr grünes Licht gäbe.

Ich streiche über den Faltenrock, überprüfe meinen Pferdeschwanz im Spiegel und bin die Erste, die sich auf den Weg macht. Mit einem Kopfschütteln betrachte ich die gestreiften Strümpfe, die auf meinen Oberschenkeln knapp unter dem Rockansatz aufhören. In meinem Kopf leuchtet das Wort ›Callgirl‹ in sämtlichen Farben auf. Ich muss aufhören, darüber nachzudenken. Je mehr ich mir darüber Gedanken mache, desto nuttiger fühle ich mich am Ende. Ich bin nicht nackt, es ist lediglich eine blöde Uniform. Und ich brauche das Geld verdammt noch mal.

Ich bin so in Gedanken, dass ich nicht nach vorne schaue und prompt in jemanden hineinlaufe. Erschrocken schnappe ich nach Luft und versuche, mein Gleichgewicht zu halten. Ich schaffe es nicht. Bevor ich jedoch zu Boden gehe, umfassen zwei starke Hände meine Hüften und halten mich auf den Beinen. Meine Finger krallen sich reflexartig in einen weichen Stoff.

»Alles in Ordnung?«, fragt mich eine tiefe Stimme. Meine Augen lösen sich von dem dunkelbraunen Stoff, der zu einem Anzug gehört, und wandern weiter nach oben.

Ein gepflegter Drei-Tage-Bart, ein sinnlicher Mund und dunkelbraune Augen, die geradewegs auf meine gerichtet sind.

Mein Herz pocht mir wild in der Brust. Die beschämte Hitze schießt mir erst ins Gesicht und breitet sich dann auf meinem ganzen Körper aus. Der Fremde will mich aber augenscheinlich erst loslassen, wenn ich ihm auf seine Frage geantwortet habe.

»Ja«, gebe ich mit einer Tonlage von mir, die mir fremd ist. Seine Lippen verziehen sich zu einem amüsierten Lächeln und er lockert seinen Griff, lässt mich aber immer noch nicht gehen.

»Hätte ich gewusst, dass mir so eine nette Überraschung direkt in die Arme läuft, wäre ich noch früher hier gewesen.« Seine Augen blitzen auf. Sein Kommentar und dieses blöde Grinsen in seinem Gesicht lassen mich wieder in der Realität ankommen.

»Ich serviere Drinks, keine Blowjobs«, gebe ich nüchtern von mir und bringe Abstand zwischen uns. Ich verschränke die Arme vor der Brust und blicke ihn verärgert an. Das scheint ihn nicht zu stören, da seine Augen in Zeitlupe über meine Erscheinung wandern.

»Sicher?«, fragt er schließlich, als er mir endlich wieder ins Gesicht schaut. »Es gibt jede Menge Etablissements, in denen die Mädchen genauso herumlaufen und Blowjobs servieren.«

»Sie müssen sich ja hervorragend in der Szene auskennen.«

Er legt den Kopf leicht schief und lacht kurz auf. »Schon mal daran gedacht, den Job zu wechseln? Widerworte wären eine angenehme Abwechslung zu den Frauen, die ansonsten anstandslos auf ihre Knie fallen, um …«

»Connor!«

Wir blicken beide in die Richtung, aus der die Stimme kam. Payton Fierce steht im Türrahmen und beobachtet uns skeptisch. Ich schenke ihm ein freundliches Lächeln, das er sogleich erwidert. Er ist einer der Stammgäste, und obwohl unsere Unterhaltungen nie über den üblichen Smalltalk hinausgehen, freue ich mich, ihn zu sehen. Er ist immer ein sehr angenehmer Gast. Mit mächtig vielen Scheinen in der Tasche, die er uns Mädchen am Ende seiner Besuche zusteckt.

Und das, ohne sexuelle Gefälligkeiten dafür zu erwarten.

Meinen Gesprächspartner hingegen straft er mit einem ernsten Blick ab, der mehr bedeutet, als ich hineininterpretieren kann.

»Wir setzen das Gespräch ein anderes Mal fort«, flüstert mein ungebetener Retter und zwinkert mir zu.

»Das glaube ich kaum«, erwidere ich mit Nachdruck. Er wendet sich von mir ab und folgt Payton in den Hauptraum.

Ich atme tief durch. Wenn das nur der Anfang war ...

»Wow«, seufzt Heather. Ruckartig drehe ich mich um. »Der war ja heiß!«

»Der war unhöflich«, korrigiere ich sie.

»Dann macht es dir mit Sicherheit nichts aus, wenn ich ihn den Abend über mit Drinks beglücke.«

»Überhaupt nicht. Ich wäre dir sogar dankbar.«

Ihre Lippen kräuseln sich nach oben und sie rauscht an mir vorbei. Zumindest das Problem bin ich los. Wenn Heather sich an den Kerl ranmacht, dürfte er kein Interesse mehr daran haben, mit mir das Gespräch fortzuführen. An einer Fortsetzung bin ich nicht im Geringsten interessiert.

Ich folge ihr, schnappe mir ein Tablett mit gefüllten Champagnergläsern und bringe den Aperitif unter die bereits anwesenden Gäste.

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