Good Afternoon Miss Watson

 

 

Eine Frau, die sich zwischen der Liebe und ihrer Karriere entscheiden muss ...

Sarah Watson hat ein Ziel vor Augen – ihren Vater davon überzeugen, dass sie die geeignete Nachfolgerin für den familieneigenen und milliardenschweren Konzern ist. Dumm nur, dass ihr Vater gerade jetzt den charismatischen Grayson Thuton engagiert hat, um die angeschlagenen Sparten wieder auf Kurs zu bringen. Einen Job, in dem Sarah sich beweisen wollte. Nun muss sie sich nicht nur ihrem Vater gegenüber durchsetzen, sondern auch noch mit einem Mann konkurrieren, der ihr viel sympathischer ist, als sie zugeben möchte. Vor allem, als es ihr mit jedem Tag schwerer fällt, seinen Flirtversuchen zu widerstehen und sie sich plötzlich zwischen ihrem Herzen und ihrem Verstand entscheiden muss.

 
 
 

LESEPROBE

Sarah

»Er ist heiß.«
Cori bemüht sich nicht einmal ihre Stimme gesenkt zu halten. An ihrem Sektglas nippend mustert sie das Objekt unseres Interesses.
»Er ist der Feind«, erwidere ich nüchtern.
»Das ändert nichts an der Tatsache, dass der Feind verdammt heiß ist.« Meine Kollegin dreht sich um und nimmt an der Bar Platz. Sobald ich neben ihr sitze, bestelle ich mir einen trockenen Blanc de Noir. Nach Sekt ist mir heute Abend nicht zumute, da ich in keiner feierlichen Stimmung bin.
Im Gegensatz zu dem Rest des Konzerns.
Ich nehme mein Smartphone aus der Clutch und will gerade meine E-Mails checken, als Cori es mir aus der Hand nimmt und dem Barkeeper in die Hand drückt. »Ich gebe Ihnen fünfzig Dollar, wenn die hübsche Frau neben mir«, ihr Finger deutet auf mich, »es vor Mitternacht nicht zurückbekommt.«
»Soll ich es in den Safe legen?«, fragt er in der üblichen Höflichkeit, die von ihm gegenüber Gästen erwartet wird.
»Ja, machen Sie das. Safe hört sich gut an.«
»Safe hört sich überhaupt nicht gut an! Mein Handy hat dort keinen Empfang und …«
»Sarah«, seufzt Cori meinen Namen und funkelt mich mit ihren eisblauen Augen an. Obwohl ich sie seit über drei Jahren meine Freundin nennen kann, ist mir ihre Mimik manchmal immer noch ein Rätsel. »Wir sind hier, um den heißen Kerl da hinten abzuchecken«, erinnert sie mich an die eigentliche Aufgabe des Abends und zeigt mit ihrem Daumen über ihre Schulter.
»Wir haben ihn gesehen, jetzt können wir uns betrinken. Und bevor ich morgen Früh mit Kopfschmerzen aufwache, hätte ich gerne noch E-Mails beantwortet.«
»Ich habe eine brillante Idee – wir stellen uns ihm endlich vor«, erwidert sie strahlend und ignoriert meine Einwände völlig. Sie ist bereits von ihrem Hocker heruntergerutscht und packt mich am Arm. Ich schüttle sie aber ab, ehe sie mich mitreißen kann.
»Geh dich vorstellen und sag mir, ob er von Nahem hässlicher ist. Dann hätte ich zumindest etwas, weswegen ich mit ihm Mitleid haben kann«, raune ich in mein Glas, ehe ich einen Schluck nehme.
Cori verdreht die Augen, nimmt sich dann aber ohne ein weiteres Wort ihr Sektglas und stolziert geradewegs in das Feindesgebiet.
Eine Gruppe von Männern bestehend aus meinem Vater, ein paar der Vorstände und dem neuesten Mitglied des illustren Männervereins.
Grayson Thuton.
Er soll den Konzern vergrößern, Start-ups ankaufen und den Umsatz der schwachen Sparten wieder auf Kurs bringen. Diese Aufgabe lässt sich mein Vater ordentlich kosten. Augenscheinlich ist Grayson Thuton aber die beste Option, die der Markt momentan zu bieten hat.
Abgesehen von mir.
Aber da ich Brüste habe, zähle ich nicht.
Mein Vater müsste dafür auch erst ein lobendes Wort für mich finden. Sollte er jemals solche Gedanken in meine Richtung gehabt haben, wurden sie sofort von dem schwarzen Loch in seiner Brust aufgesogen, ehe sie das Licht der Welt erblicken konnten.
Ich nehme wieder mein Weißweinglas zur Hand und trinke einen kräftigen Schluck. Mit dem herben Geschmack des Weines auf der Zunge lässt sich meine Situation viel besser ertragen.
Wieder greife ich zu meiner Clutch, bis mir bewusst wird, dass mein Handy weg ist.
Gottverdammt.
Manchmal hasse ich Cori und ihre ungehobelte Art. Sie kann eine Lady sein, aber nur, wenn ein hübscher Mann in der Nähe ist. In meiner Gesellschaft packt sie ihre slawischen Gene aus.
Cori trägt ihr Herz auf der Zunge und plaudert ihrem Temperament entsprechend jeden Gedanken aus, der in ihrem klugen Kopf zustande kommt. Ich brüte erst über mögliche Formulierungen nach und entscheide dann, welche Wortwahl ich für passend halte. So unterschiedlich wir aber auch sind – so eng ist unsere Freundschaft. Als ich nach meinem Studium in Stanford in den Konzern meines Vaters einstieg, wurde Cori mir vorgesetzt, um mich einzuarbeiten. Ich hatte Respekt vor ihr, weil sie einfach alles unverblümt aussprach und ich mich oft in einer Situation wiederfand, in der ich nicht wusste, wie ich mich ihr gegenüber verhalten soll. Ich war es gewohnt, mit Respekt und Anstand behandelt zu werden. Nicht mit blanken Wahrheiten.
Ich war höflich, aber distanziert. Das funktionierte für mich, aber nicht für Cori. Eines Abends verfolgte sie mich bis zu meinem damaligen Apartment. Sie betrat die Lobby und hakte sich bei mir ein, als wären wir zwei Freundinnen, die zusammen einen netten Abend verbringen wollten. Ich war so perplex, dass ich sie einfach mit in meine Wohnung nahm. Sie bediente sich an dem offenen Wein in meinem Kühlschrank und musterte mich, wie ich im Mantel in meiner Küche stand und nicht wusste, was ich zu der Situation sagen sollte. Sie goss mir schließlich auch ein Glas ein und ich trank es in einem Zug leer. Diesmal war sie es, die mich verblüfft ansah.
Zeitgleich lachten wir los und das Eis war gebrochen.
So begann unsere Freundschaft.
Sie ist meine engste Verbündete im ewigen Kampf um den Respekt meines Vaters. Als er vor wenigen Monaten im alljährlichen Frühjahrsmeeting mit allen Topmanagern die geplanten Umstrukturierungsmaßnahmen angekündigt hatte, sah ich meine Chance, ihm endlich zu beweisen, dass ich das Geld wert bin, das er widerwillig in meine Ausbildung gesteckt hat.
Ich legte ihm meine Konzepte vor, die er alle direkt in den Mülleimer warf.
Vor meinen Augen.
»Du wirst nie gut genug sein« waren seine harschen Worte, die an mir abprallten. Zumindest für den Moment. Zuhause nahm ich eine Flasche Cognac zur Hand und stand am nächsten Morgen über eine Stunde eher auf, um die Spuren der vergangenen Nacht zu beseitigen.
Vor drei Wochen kündigte er an, jemanden gefunden zu haben, der anscheinend gut genug ist – Grayson Thuton.
Jedes Mal, wenn ich nur an den Namen denke, wird mir schlecht. Cori hat ihn im Internet gestalkt. Alles, was sie auf legalem Wege über ihn herausfinden konnte, hat sie fein säuberlich in einen Hefter gepackt und mir vorgelegt, damit ich weiß, gegen wen ich antreten muss.
Ich habe es mir nicht durchgelesen. Was soll es auch bringen? Der Mann ist gut aussehend, intelligent und besitzt wahrscheinlich den nötigen Charme, seine Fehler von sich weisen zu können. Von der Sorte Mann sind mir schon genügend begegnet, als dass ich das nicht wüsste.
Mein Blick wandert zu Cori, die ihr gesamtes Charmearsenal aufgefahren hat, um zwischen den Herren aufzufallen. Das würde sie aber auch so. Sie ist hübsch, ihre Augen verleihen ihr einen Schuss Extravaganz und ihr Körper ist das reinste Paradies für Männer.
Ich hätte nicht herkommen sollen.
Ein letztes Mal hebe ich das Glas an meine Lippen und trinke den übrig gebliebenen Schluck Wein. Der Barkeeper wirft mir einen fragenden Blick zu, ich schüttle den Kopf.
Heute stellt mein Vater seinen neuen Wunderjungen offiziell der Konzernleitung und allen anderen wichtigen Personen vor.
Mich hat er bislang nicht vorgestellt.
Und ich arbeite seit über drei Jahren für ihn.
Ich bin darauf aber auch nicht angewiesen.
Im schlimmsten Fall schleppt Cori den neuen Wunderknaben gleich zu mir, im zweitschlimmsten Fall werde ich ihn spätestens morgen Früh beim ersten Meeting kennenlernen.
Ich werfe einen Blick über die Schulter und sehe überraschenderweise Cori auf mich zu kommen. In dem kleinen Schwarzen hängen jede Menge Blicke unserer Kollegen an ihrem Hintern. Dessen ist sie sich bewusst, weswegen sie einen sexy Hüftschwung gepaart mit einem selbstsicheren Lächeln zur Schau stellt.
»Und?«, frage ich, da die Neugierde doch siegt.
»Er ist noch heißer von Nahem«, sagt sie. »Ich wette, er weiß, wie man eine Frau glücklich macht.« Sie wirft ihm einen Blick zu, den er aber nicht wahrnimmt. »Männer in Smokings gehören an einen Bettpfosten gefesselt, damit man sie mit den Zähnen ganz langsam ausziehen kann.«

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