Christmas Kisses from a Stranger

 

 

 

Ein Weihnachtswunder, das charmanter und verführerischer nicht sein könnte ...

 

 

Liv hasst Weihnachten. Um der besinnlichen Festtagstimmung in New York zu entfliehen, fliegt sie jedes Jahr nach Australien. Leider hat ihr perfekter Plan einen Haken - wenn das Wetter nicht mitspielt, sitzt sie in New York fest. Als genau das eintritt und sie missmutig den Weihnachtstagen entgegenblickt, taucht unverhofft ein attraktiver Retter in der Not auf, der Liv mit Weihnachtsküssen schneller den Kopf verdreht, als ihr lieb ist. Dumm nur, dass er mit Weihnachten viel mehr zu tun hat, als Liv anfangs ahnt und sie sich am Ende die Frage stellen muss, ob sie Weihnachten nicht doch noch eine Chance geben kann ...

 
 
 

LESEPROBE

Die Schneeflocken fallen mittlerweile so schnell vom Himmel, dass ich sie nicht mehr zählen kann. Neben mir höre ich verzückte ›Ohs‹ und ›Ahs‹, während ich jede einzelne Schneeflocke hasse. Am liebsten würde ich ein Lagerfeuer veranstalten, damit der Schnee um mich herum verschwindet. Meine Haare sind weiß gepudert, ständig muss ich meine Brille putzen und die blöden Schneeflocken finden jedes Schlupfloch in meinen Nacken, um mir einen kalten Schauer zu bescheren.
Ich klappe den Kragen meines Burberry-Mantels nach oben und bete, dass mich niemand aus der Firma entdeckt und den modischen Fauxpas beobachten kann. Mit kleinen Schritten stapfe ich durch zentimeterhohen Schnee. Meine nagelneuen Wildlederstiefel von Louboutin wurden für das Wetter nicht gemacht. Sie wurden für angenehme Temperaturen mit Sonnenschein in die Welt gesetzt. Nicht für so ein bescheidenes Schmuddelwetter. Wenn der Schnee meine Laune nicht bereits genug gesenkt hat, schafft die weihnachtliche Beleuchtung ihr Übriges. Überall um mich herum hängen goldene Lichter, stehen Tannenbäume mit riesigen roten Schleifen und ertönt Weihnachtsmusik. Manhattan ist für mich nicht der richtige Ort für den heutigen Tag. Dumm nur, wenn der wichtigste Klient der Firma vor Jahresende gefühlte zehntausend Dinge erledigt haben möchte. Ansonsten hätte ich bereits vor zwei Tagen wie jedes Jahr in einem Flugzeug Richtung Australien gesessen.
Weihnachten ist die einzige Zeit im Jahr, die ich nicht ausstehen kann. Dafür gibt es nicht einmal einen richtigen Grund. Ich mag es einfach nicht.
Die Schneeflocken werden immer größer und dichter, sodass ich kaum meine eigene Hand vor Augen sehen kann. Ich will gerade meine Brille von der Nase nehmen, um sie erneut von den Wassertropfen zu trocknen, als ich ein Hupen höre und dann die Scheinwerfer sehe, die viel zu schnell auf mich zukommen. Schreckhaft reiße ich die Arme vor das Gesicht und halte die Luft an.
Ich warte auf den Aufprall und das berühmt-berüchtigte Licht am Ende des Tunnels.
Aber es passiert ... nichts.
Langsam lasse ich die Arme sinken und blinzle in das grelle Licht, das mich anstrahlt. Von der hellen Strahlkraft beginne ich Sternchen und Blitze in meinem Kopf zu sehen.
»Alles in Ordnung mit Ihnen?«
Ich vernehme die Stimme, ehe ich eine Berührung am Arm spüre. Es dauert eine gefühlte Ewigkeit, bis ich der Stimme ein Gesicht geben kann. Ich sehe immer noch Lichtblitze und die Umrisse des Mannes werden erst langsam wieder scharf. Ein unglaublich attraktiver Mann steht vor mir. Seine warmen blauen Augen blicken mich besorgt an und seine vollen Lippen sind zu einer feinen Linie zusammengepresst. Er trägt einen Armani-Anzug und einen Burberry-Trenchcoat, den er nicht zugeknöpft hat. Von Sorge erfüllt runzelt er die Stirn, ohne den Blick von mir zu nehmen.
»Alles gut«, sage ich und sammle meine Körperbeherrschung wieder zusammen. Und vor allem die Orientierung.
»Sie standen plötzlich mitten auf der Straße«, versucht er sich zu rechtfertigen, warum er mich beinahe an einem heiligen Tag wie heute ins Grab befördert hätte.
»Machen Sie sich keine Gedanken«, winke ich ab. »Ich lebe noch. Ich werde dem Weihnachtsmann wohl noch ein Jahr erhalten bleiben«, erwidere ich mit einem schiefen Lächeln, während ich versuche, die Brille wieder trocken zu kriegen.
Mein Ausflug auf die Straße hat mittlerweile so viele Autos zum Anhalten gezwungen, dass ein Hupkonzert beginnt.
»Kann ich Sie irgendwo absetzen?«
Für einen Moment ziehe ich die Option in Erwägung, schüttle dann aber doch dankend den Kopf. Auch wenn der Mann guten Geschmack hat – ein Burberry-Trenchcoat sagt alles –, könnte er immer noch ein Serienkiller mit gutem Geschmack sein.
»Danke, aber ich hab’s nicht weit«, sage ich und deute in irgendeine Richtung, da ich dank des Schneetreibens keine Ahnung habe, wo ich eigentlich bin. »Setzen Sie sich besser wieder in Ihr Auto, bevor einer von denen Sie noch meuchelt.« Ich zeige auf die Schlange Autos hinter seinem Jaguar, wie ich nun erkennen kann. Geschmack beim fahrbaren Untersatz hat er ebenfalls.
»Okay. Dann passen Sie aber auf sich auf«, ermahnt er mich, während er zurück zur Fahrertür geht.
»Sicher doch«, erwidere ich und begebe mich zurück auf den Bürgersteig. Ich beobachte den Mann dabei, wie er die Fahrertür öffnet, dann aber doch innehält und zu mir herüberblickt.
Ein kalter Windstoß kommt und bläst mir jede Menge Schneeflocken ins Gesicht. Mindestens die Hälfte landet unter meinem Seidenschal, der hübsch aussieht, aber nicht warmhält, und lässt mich erzittern.
»Mein Auto hat eine Sitzheizung«, ruft er mir mit einem unterdrückten Lächeln zu. Das kann ich definitiv heraushören.
»Sind Sie ein Serienkiller?«, rufe ich zurück.
»Ja. Und ich habe nur darauf gewartet, dass Sie mir als Weihnachtsgeschenk vor das Auto laufen.«
Würde ein echter Serienkiller so reagieren? Wahrscheinlich ja, damit er keinen Verdacht erregt.
No risk, no fun.
Sollte ich sein Auto tatsächlich nicht mehr lebend verlassen, bleibt mir wenigstens Weihnachten im nächsten Jahr erspart. Ich gehe schnell auf den Wagen zu, um die ungehaltenen Autofahrer endlich zu besänftigen.
Ich sehe ihm an, dass er zu der Sorte Mann gehört, der einer Frau normalerweise die Autotür aufhält. So sind burberrytragende Männer eben. Guter Geschmack und gutes Benehmen.
Ich bin jedoch schneller eingestiegen, als er höflich sein kann. Sobald ich mich auf dem Ledersitz niedergelassen habe, bereue ich die Entscheidung in keiner Weise. Es ist warm, meine Stiefel fühlen sich wohl und ich werde in wenigen Minuten meinen kalten Hintern wieder spüren.
»Wo kann ich Sie absetzen?«, fragt mich mein unverhoffter Chauffeur von der Seite, sobald er sich wieder in den Verkehr eingefädelt hat.
»Flughafen«, erwidere ich.
»Glauben Sie ernsthaft, dass bei dem Wetter irgendein Flugzeug den Boden verlässt?«
»Nein. Aber sobald es eins gibt, werde ich drinsitzen.«
»Sie sind nicht von hier?«
»Doch.«
»Besuchen Sie Familie?«
»Nein.« Ich ziehe mir die Handschuhe von den Fingern und bin dankbar, die Schneeflocken nur noch sehen und nicht mehr spüren zu müssen. »Ich hasse Weihnachten«, eröffne ich. »Ich will einfach so weit wie möglich von hier weg.«
»Sie wissen, dass fast überall auf der Welt Weihnachten gefeiert wird?«
»Ja. Aber in Australien ist es angenehm warm und die Weihnachtsdeko wirkt eher wie ein schlechter Scherz, weil die Sonne scheint und niemand in Pudelmütze herumläuft.«
»Mhm«, erwidert er nachdenklich.
»Wenn Sie weihnachtsverrückt sind, geben Sie es ruhig zu. Ich kann damit leben.«
Jetzt lacht er auf. Ich muss gestehen, ich mag sein Lachen. »Nein, ich bin nicht weihnachtsverrückt. Aber wissen Sie, was ein lustiger Zufall ist? Ich sollte jetzt eigentlich in Australien sein. Habe die Reise aber nun verschoben, weil mich eh kein Flugzeug von hier dorthin bringen würde.«
Ich ziehe die Augenbrauen nach oben. »Was wollten Sie denn in Australien?«
»Meine Schwester besuchen.«
»Das tut mir wirklich leid, dass Sie sie nicht besuchen können.«
Er zuckt mit den Schultern. »Es ist nicht das erste Mal, dass die Wetterverhältnisse in New York meine Reisepläne durchkreuzen. Gerade zu dieser Jahreszeit.«
»Wem sagen Sie das«, seufze ich.
»Wie oft wurden Sie schon gezwungen, Weihnachten doch in New York zu verbringen?«
»Dreimal«, antworte ich, ohne groß darüber nachzudenken. »Und mit jedem Jahr wird es schlimmer.«
»Haben Sie nicht einmal einen klitzekleinen Weihnachtsbaum in der Wohnung?«
»Ich verstecke mich jedes Mal auf dem Klo, wenn in meiner Abteilung gewichtelt wird«, erwidere ich und blicke ihn dabei todernst an.
»Wissen Sie was? Das glaube ich Ihnen sogar.«
»Danke. Die meisten halten das für einen Witz.«
»Ich hätte mit jedem Mitleid, der Ihren Namen zieht«, sagt er nun mit einem Lachen.
»Ah ... wie nett«, antworte ich leicht pikiert.
»Aber ich wüsste, was ich Ihnen schenken würde«, sagt er nun und weckt wieder mein Interesse an der Konversation.
»Jetzt bin ich gespannt.«
»Ich müsste Sie leider als Wichtelpartner ziehen, damit Sie es erfahren.«
»Sehen Sie? Genau deswegen hasse ich Weihnachten.«

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