BEAUTIFUL HOPE ~ Auf immer und ewig

 

HOPE&PAIN 1

 

MAISIE

Ich war darauf vorbereitet gewesen, nichts mehr vom Leben zu erwarten. Jeden Tag das anzunehmen, was mir geschenkt wird. Die Angst tief in mir zu verstecken und mich von ihr nicht mehr kontrollieren zu lassen. Es funktionierte. Ich war auf alles vorbereitet.
Nur nicht auf ihn.

LLOYD

Bis vor wenigen Monaten hatte ich alles, was sich ein Mensch jemals wünschen kann. Geld, Macht, Ansehen. All das zerbröselte in meinen Händen, als das Schicksal einen anderen Plan für mich hatte. Es führte mich direkt zu ihr und ihrem Herzen. Ein Herz, das von Mauern der Angst umschlossen ist, die mich aber nicht davon abhalten, sie um jeden Preis beschützen zu wollen.

 
 
 
 

LESEPROBE

 

Lloyd

 

»Unterschreib das.«
Mein Großvater legt mir mehrere Papiere vor die Nase. Ich beachte sie nicht weiter und beobachte lieber meinen Großvater und unseren Anwalt. Frank arbeitet seit über zwanzig Jahren für uns und hat bis jetzt jeden Dreck unter den Tisch kehren können. Sollte irgendjemand dort Staub wischen wollen, wäre der Name meines Großvaters Geschichte. Genauso wie der meines Vaters in Washington. Wir würden alle in den Knast wandern, was wir schon längst getan hätten, wenn Frank nicht ein Händchen dafür hätte, Angelegenheiten in unserem Interesse zu lösen. Genug Geld steht ihm schließlich zur Verfügung.
Frank sitzt mir gegenüber, mein Großvater steht mit dem Rücken zu mir und sieht in unseren Garten.
»Was ist das?«, unterbreche ich die Stille.
»Deine Aussage.« Frank beginnt mit seinem Füller von Montblanc in der Hand zu spielen. Ein Geschenk meines Großvaters. Allein das Etui kostet mehr, als manch einer in einem Monat verdient.
»Was steht da drin?« Es wird mit Sicherheit nicht das drin stehen, was tatsächlich passiert ist. Dass Mark, David und ich gekokst und Alkohol getrunken haben, Mark sich ans Steuer seines Autos setzte und frontal in einen Lastwagen krachte, weil er Schlangenlinien fuhr. Und niemand anderes Schuld trägt, als wir selbst.
»Die Version, die dir die geringsten Probleme macht«, springt mein Großvater ein und dreht sich wieder zu mir um. Seine Haare sind bereits vor langer Zeit ergraut, seine Autorität ist noch einschüchternder geworden. Er ist Vorstandschef bei der Bank, für die ich auch gearbeitet habe, bis der Unfall passierte. Ich sollte sein Nachfolger werden. Ob das je passiert, hängt von dem Ausgang der aktuellen Situation ab. Mit einer Vorstrafe werde ich eine Karriere in dem Geldhaus vergessen können. Das war die erste Information, die mir mein Großvater mitteilte, nachdem ich im Krankenhaus aufwachte.
Dreimal hat mein Herz aufgehört zu schlagen. Die Ärzte wussten nicht, ob mein Gehirn langfristige Schäden davongetragen hat und mein Großvater informierte mich als Erstes darüber, dass meine Karriere in Gefahr ist, wenn ich ein falsches Wort sage. Dass Mark direkt tot war, nicht einmal identifiziert werden konnte und David im Koma lag, gedachte er nicht zu erwähnen. Es ging hier schließlich um das Ansehen seines einzigen Enkels und damit sein eigenes Image. David liegt nach wie vor im Koma und die Wahrscheinlichkeit, dass er jemals aufwachen wird, sinkt mit jedem weiteren Tag.
Ich habe meine beiden besten Freunde verloren und soll etwas unterschreiben, was ihnen die Schuld in die Schuhe schiebt, damit ich davonkomme.
Weil ich überlebt habe.
Dabei hatte ich Glück im Unglück. Wäre der Unfall nicht gewesen, wäre ich jetzt nicht mehr am Leben und meine beiden besten Freunde würden von ihren Anwälten entsprechende Dokumente vorgelegt bekommen.
Würden Mark und David einfach ihre Namen darunter setzen?
»Lloyd«, ermahnt mich mein Großvater mit strenger Stimme.
»Was passiert, wenn ich das unterschreibe?« Ich blicke Frank an. Er lügt nie und versucht mich nicht zu manipulieren. Das kann er sich nicht erlauben, da er von mir das Gleiche erwartet, um seinen Job ordentlich erledigen zu können. Jede falsche Information kann das Kartenhaus, das er über uns gebaut hat, zum Einsturz bringen.
»Die Schuld am Unfall wird gänzlich Mark Edwards zugeschrieben, da er der Fahrer war. Du hast versucht, ihn davon abzuhalten, in das Auto einzusteigen, er wollte aber nicht auf dich hören. Genauso wie David. Dazu gibt es Zeugenaussagen.« Wie er das Wort ›Zeugenaussagen‹ betont, sagt mir, dass es diese Zeugenaussagen in Wahrheit nicht gibt. Jemand bekommt zehntausend Dollar dafür, einen auswendig gelernten Text vor Gericht vorzulesen, sollte es zu einer Verhandlung kommen. »Was den Vorwurf des illegalen Drogenbesitzes angeht, haben wir ebenfalls Zeugenaussagen, die belegen, dass es Davids Substanzen waren. Er wurde damit im Club gesehen. Das Auto hat sich mehrfach überschlagen, und wie sie am Ende bei dir gelandet sind, kann keiner belegen.«
»Wenn ich das unterschreibe, bedeutet es, dass ich frei bin?«
»Korrekt. Um auf Nummer sicher zu gehen, werden wir einen Deal eingehen.«
»Was für einen Deal?« Ich wende mich meinem Großvater zu. Deals sind seine Spezialität. Insbesondere die, die ihm einen Vorteil verschaffen.
»Du hast einen Fehler gemacht, Lloyd. Auch wenn es tragisch ist, dass das Gesetz dich dafür nicht haftbar machen kann, war es moralisch verwerflich. Du bist mit einem blauen Auge davongekommen und hast aus deinen Fehlern gelernt.«
»Das bedeutet konkret?«
»Du wirst freiwillig Sozialstunden ableisten.«

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