BEAUTIFUL HOPE ~ Für die Ewigkeit

 

HOPE&PAIN 2

 

Sie ist seine Vergangenheit, die er nicht loslassen kann.

 

Er ist ihre Zukunft, die sie nicht aufgeben kann.

 

Nachdem Abby zu Declan zurückgekehrt ist, steht für Lloyd die Welt still. Er versucht alles, um sie wiederzufinden. Abby bleibt aber verschwunden. Obwohl alle ihn dazu drängen, die Vergangenheit ruhen zu lassen, kann er seine Gefühle für Abby nicht vergessen und die Hoffnung nicht aufgeben. Die Hoffnung, sie zu finden und endlich verstehen zu können, warum sie gegangen ist.

Seitdem Abby Lloyd verlassen hat, ist ihr Leben wieder schwarz-weiß. Die bunten Farben, die sie dank Lloyd gefühlt hat, verblassen mit jedem Tag ein wenig mehr. Sie will sich an Declans Regeln halten, Lloyds Worte und Berührungen lassen sie aber einfach nicht los, was es ihr erschwert, wieder in ihr altes Leben mit Declan zurückzufinden. Als sie jedoch unverhofft in diese blauen Augen blickt, die ihre Welt bereits einmal in ein buntes Farbenmeer verwandelt haben, wird ihr bewusst, dass sie bereit ist jedes Risiko einzugehen, um endlich frei zu sein ...

 
 
 
 

LESEPROBE

Abby

 

Ich ignoriere das Geschnatter der anderen geladenen Gäste um mich herum und blicke geradewegs das riesige Kunstwerk an. Hin und wieder nippe ich an meinem Glas Champagner, schenke dem Bild aber meine volle Aufmerksamkeit, damit niemand auf die Idee kommt, mich anzusprechen. Normalerweise betreibe ich gerne Smalltalk. Es ist unbedarft und lenkt mich von meinem tristen Alltag ab. Heute bin ich aber nicht in der Stimmung, mir ein Lächeln aufzusetzen und alle Menschen um mich herum mit jedem Wort, das ich über die Lippen bringe, anzulügen.
Ich atme tief durch und nehme erneut einen Schluck von dem Champagner, der mir langsam, aber sicher zu Kopf steigt. Ein Grund dafür wird mein nüchterner Magen sein. Bislang hatte ich keine Zeit etwas zu essen und die gereichten Häppchen auf Claires Vernissage reizen mich nicht.
»Abby!«
Ich zaubere mir notgedrungen ein Lächeln ins Gesicht und drehe mich zu der Gastgeberin um. Sie umarmt mich und begrüßt mich mit einem Luftküsschen an der Wange, damit weder ihr Lippenstift noch mein Make-up verschmiert.
»Du siehst zauberhaft aus«, sagt sie mit strahlenden Augen und lässt ihren Blick an mir auf und ab gleiten. »Hat Declan dir das Kleid ausgesucht?«
Ich nicke. »Ja, hat er.« Ich bemühe mich, meine Mundwinkel oben zu lassen.
»Der Mann hat einen fantastischen Geschmack«, raunt sie mir hinter vorgehaltener Hand zu. »Lass den nie von der Angel!«
»Redet ihr über Declan?« Genevieve gesellt sich zu uns und betrachtet ebenfalls mit anerkennendem Nicken meine Abendgarderobe. Es ist ein cremefarbenes Kleid von einem noch unbekannten, aber unter Insidern sehr beliebten Designer. Lange Ärmel und ein züchtiger Ausschnitt lassen mich beinahe wie eine Nonne wirken, wäre es nicht so kurz, dass es bereits auf der Mitte meiner Oberschenkel aufhört und einen Blick auf meine Beine freigibt. An einem anderen Tag hätte ich mich geweigert, das Kleid anzuziehen. Heute hatte ich keine Lust, mit Declan zu diskutieren und habe einfach das getan, was er von mir erwartet.
»Der Mann ist wirklich ein Sechser im Lotto«, pflichtet Genevieve Claire bei und wirft mir einen vielsagenden Blick zu. »Wenn ich auch nur ein Kleidungsstück von denjenigen ausführen würde, die Emmett mir mit nach Hause bringt, hätte ich täglich den Preis für nicht vorhandenes Modebewusstsein sicher«, erläutert sie mit einem Augenverdreher. Genevieve ist Halbfranzösin und hat den Großteil ihres Lebens in Paris verbracht. Dort hat sie ebenfalls Mode studiert. Ich bezweifle, dass irgendein Mann, der nicht schwul ist, an ihr Modebewusstsein herankommt. Sie hat mit einem Fashionblog angefangen, ehe sie Redakteurin bei einem der einflussreichsten Modemagazine wurde. Mit Anfang dreißig eine Karriere, die ihr so schnell niemand nachmachen wird.
Ich ignoriere die Komplimente. »Wie läuft die Ausstellung?«, frage ich Claire, deren Popart-Kunstwerke heute das erste Mal der Öffentlichkeit präsentiert werden. Ich bin kunstinteressiert und ihre Bilder gefallen mir tatsächlich. Eins der wenigen Dinge, die ich nicht vorspielen muss. Genauso wenig wie meine Freundschaft zu ihr. Es hat lediglich wenige Tage gedauert, nachdem ich zurück in Declans Leben getreten bin, ehe er mir sie vorgestellt hat und dafür sorgte, dass wir sehr viel Zeit miteinander verbrachten. Drei Monate später würde uns jeder Außenstehende als beste Freundinnen bezeichnen. Der Hauptgrund, warum ich ihre Einladung für heute Abend nicht ablehnen konnte, obwohl ich mich am liebsten in meinem Bett verkrochen hätte.
»Ich habe bereits über die Hälfte verkauft«, berichtet sie strahlend und ihre Wangen färben sich vor lauter Stolz leicht rosig.
»Zwei gehören Emmett und mir«, erwidert Genevieve und hebt darauf ihr Sektglas, um davon zu trinken.
»Oh wow. Für welche habt ihr euch entschieden?«
Ich höre Genevieves Antwort, nehme sie aber nicht wahr. Stattdessen ist mein Blick geradewegs auf Declan gerichtet, der mich beobachtet. Ausdruckslos starre ich zurück.
Er weiß, warum ich mich am liebsten in meinem Zimmer eingeschlossen hätte und ich mich in jeder Sekunde zusammenreißen muss, um ein bezauberndes Lächeln in meinem Gesicht zu platzieren.
»Erde an, Abby«, sagt Genevieve und schnippt vor meiner Nase mit Daumen und Zeigefinger. Das Geräusch reißt mich aus meiner Starre.
»Wo warst du mit deinen Gedanken?«, will Claire interessiert wissen. Als sie meinem Blick folgt, lächelt sie mich wissend an. »Aha!«
»Wenn du ihn irgendwann einmal loswerden willst – du hast meine Nummer«, sagt Genevieve einen Tick zu laut.
»Ich glaube kaum, dass sie mich jemals loswird«, erwidert Declan, der zu unserer kleinen Runde hinzugestoßen ist. Augenblicklich legt er den Arm um meine Hüfte und zieht mich zu sich. Er küsst mich auf den Scheitel und hebt sein Glas, um mit Claire anzustoßen. »Eine wundervolle Vernissage, Claire.«
»Es freut mich sehr, wenn es euch gefällt«, erwidert sie und ihr Glas klirrt gegen Declans. Genevieve wedelt entschuldigend mit ihrem leeren Glas in der Luft, weswegen nur noch ich bleibe. Ich hebe meins, lasse es kurz und schmerzlos gegen Declans stoßen. Hastig will ich einen Schluck nehmen, als Genevieve sich einmischt.
»Du weißt, dass es sieben Jahre schlechten Sex geben wird, wenn ihr euch beim Anstoßen nicht in die Augen seht.« Sie deutet zwischen Declan und mir hin und her. »Das wollt ihr doch nicht, oder?« Ich spüre seinen eindringlichen Blick auf mir und weiß, dass ich keine Wahl habe. Diesmal umfasse ich den filigranen Stiel des Glases so fest, dass ich befürchten muss, ihn zu zerbrechen, wenn ich nicht aufpasse. Mit einem Lächeln drehe ich den Kopf zu Declan und blicke ihm direkt in diese dunklen Augen, die ich nie wieder in meinem Leben vergessen werde. Unsere Gläser stoßen erneut gegeneinander und ich löse den Blickkontakt erst, als ein kräftiger Schluck des prickelnden Champagners meine Kehle hinunterläuft.
»Sieben Jahre schlechten Sex will wirklich niemand«, pflichte ich Genevieve bei und nicke ihr mit einem Lächeln dankbar zu.

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